Parasiten
Flöhe
Flöhe sind beissende blutsaugende Parasiten. Man kann sie als bräunliche 1,5 – 3 mm lange Insekten vor allem am hinteren Teil des Hundekörpers (Kruppe, Bauch, Oberschenkel) finden. Die Hinterbeine sind als Sprungbeine sehr kräftig angelegt die Sprünge bis zu einem Meter erlauben.
Da Flöhe sehr wenig wirtsspezifisch sind, ist eine Übertragung zwischen Hunden, Katzen und Menschen möglich. Die bei unseren Hunden am häufigsten auftretende Art ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis), weniger häufig sind Hunde- oder Menschenflöhe.
Mit einem Flohkamm kann die Diagnose des Flohbefalls gestellt werden. Es können entweder Flöhe oder deren Kot aus dem Hundefell aufgenommen werden. Da der Flohkot verdautes Blut enthält, verfärbt er ein feuchtes weißes Tuch rötlich.
Flohspeichelallergie (siehe auch Allergie)
„Jeder ungeschützte Hund hat hin und wieder einen Floh“ diese Aussage der Tierärzte erstaunt viele Besitzer, da sie oft die Flöhe selbst gar nicht bemerken. Tatsächlich sind Flöhe nur bei sehr starkem Befall am Hund wahrzunehmen. Gerade wenn ein Hund unter einer Flohspeichelallergie leidet, genügen wenige Flohbisse, um extremen Juckreiz auszulösen, der wiederum zu anderen Folgeinfektionen der Haut führt und sich unerkannt oft als schwere chronische Hauterkrankung darstellt. Da bei dieser Erkrankung gelegentlicher Flohbefall ausreicht, sieht man in den allermeisten Fällen bei den betroffenen Tieren keine Flöhe.
Floh als Überträger anderer Infektionen
Außerdem ist der Floh Zwischenwirt für den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum), vor dem auch bei regelmäßiger Entwurmung ohne gute Flohkontrolle nicht sicher geschützt werden kann. Auch eine Reihe bakterieller Infektionen werden mit Hilfe von Flöhen übertragen.
Lebenszyklus
Um eine erfolgreiche Flohprophylaxe durchführen zu können, muss man einige Besonderheiten des Lebenszyklus der Flöhe wissen. Nur etwa 5% der Flohpopulation sind als erwachsene Flöhe in der Umgebung vorhanden und 95% bestehen aus jüngeren
Entwicklungsstadien. Die Erwachsenen leben als beißende Blutsauger auf den Hund, wo sie sich 24 – 36 Stunden nach der Blutmahlzeit paaren. Die Eier werden vom Hund aus, z.B. auf den Schlafplatz, abgelegt. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich ins Dunkle verkriechen und sich aus organischen Substanzen, wie z.B. dem Kot der erwachsenen Flöhe, ernähren. Wenn sich die Larven verpuppen, können die sehr widerstandsfähigen Puppen mehrere Monate in der Umgebung überleben. Auf Reize wie Erschütterung, CO2 und steigende Temperaturen schlüpfen dann die erwachsenen Flöhe. Bei günstigen Bedingungen (hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit) dauert der Lebenszyklus 3 - 4 Wochen, er kann bei weniger guten Umständen mehrere Monate dauern.
Integrierte Flohbehandlung oder Flohferien
Da die gesamte Entwicklung in der Umgebung des Hundes abläuft, ist bei einem starken Befall eine integrierte Flohbehandlung zur erfolgreichen Elimination aus dem Haushalt wichtig.
Dazu gehört, dass alle Hunde und Katzen, ggf. auch Heimtiere mit für die jeweilige Tierart zugelassenen Medikamenten behandelt werden. Einige von Hunden problemlos vertragene Präparate können für Katzen oder Kaninchen tödlich sein. Wir versuchen mit Ihnen das optimale Behandlunsschema für Ihr tier und Ihre Haltungsbedingungen zu finden, je nachdem welche Tierarten im Haushalt leben und wie diese behandelt werden sollen. Schnell und einfach ist die Verwendung von Spot on Produkten, aber auch Sprays sind erhältlich. Wichtig ist, dass von dem Präparat die erwachsenen Flöhe (Adulte) getötet und die Entwicklungsstadien (Eier, Larven) in der Umgebung abgetötet oder in ihrer weiteren Entwicklung gehemmt werden. So genannte Juvenilhormonanaloga verhindern die Entwicklung aus Eiern und Larven zum Adulten und damit die Weitervermehrung. Die Wirkstoffe werden von den erwachsenen Flöhen aus dem Blut und der Haut des Hundes aufgenommen und über den Flohkot, der ja als Nahrungsquelle für die Larven dient, an diese weitergegeben. Auch die medikamentenhaltigen Hautschuppen des Hundes dienen der Ernährung der Nachkommen, und führen so zur Entwicklungshemmung. Trotzdem ist auch eine gesonderte Umgebungsbehandlung angezeigt. Dazu gehört das Waschen aller Decken und Kissen bei über 60° (Alternative: einfrieren). Durch gründliches Staubsaugen lässt sich die Anzahl der im Teppichboden befindlichen Eier und Larven gut reduzieren (Beutel entsorgen!). Zusätzlich können Umgebungssprays verwendet werden, die die übrigen Eier und Larven abtöten bzw. die Weiterentwicklung hemmen. Bei solchen Maßnahmen sollten vor allem Orte berücksichtigt werden, an denen der Hund sich oft aufhält, inklusive Autorücksitz und ggf. das Sofa. Als kontinuierliche Prophylaxe sollte eine regelmäßige Weiterbehandlung der Haustiere z.B. mittels Spot on Präparaten durchgeführt werden. Zu beachten ist, dass die Abstände kürzer als vom Hersteller angegeben sein sollten, wenn der Hund oft Schwimmen geht oder aus medizinischen Gründen oft gebadet werden muss. Es wird immer ein Teil des Medikamentes abgewaschen, je nach Präparat mehr oder weniger. Aufgrund der immer wärmer werdenden Winter, sind diese vorbeugenden Maßnahmen ganzjährig zu empfehlen.
Mit dem sich wandelnden Klima hat sich auch die Bedeutung der Zecken für den Hund verändert. Neben dem hier heimischen Holzbock (Ixodes ricinus), ist eine neue Zeckenart dazugekommen, die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus).
Vorbeugung
Ein wirksamer Schutz gegen alle Arten von Zeckenbefall kann wie bei der Flohbekämpfung durch regelmäßige Anwendung geeigneter Spot on Präparate oder Halsbänder erreicht werden. Teilweise kommt es trotzdem zum Ansaugen einzelner Zecken. Diese sterben jedoch in der Regel ab, bevor eine Übertragung der gefährlichen Erreger mit dem Zeckenspeichel stattfindet.
Holzbock
Der Holzbock ist der Überträger der beim Menschen zu chronischen Gelenks- und Nervenerkrankungen führenden Borreliose, die beim Hund gelegentlich zu Lahmheiten durch Gelenksentzündungen führen kann. Die Anaplasmose ist einer durch Infektion der Blutplättchen und weißen Blutkörperchen, die sich mit allgemeinen Symptomen wie Mattigkeit, Fieber und Gewichtsverlust zeigt.
Auwaldzecke
Überträger der „Hundemalaria“
Die seit einigen Jahren in Deutschland immer häufiger auftretende Auwaldzecke, welche es vorher nur in südlicheren Ländern gab, ist vom Holzbock durch ein auffallend bunt gemustertes Schild unterscheiden.
Sie überträgt einen einzelligen Parasiten der roten Blutkörperchen: Babesia canis. Die Babesiose, auch „Hundemalaria“ genannt, führt zur Blutarmut mit Gelbsucht. Die Symptome sind Schlappheit, Kurzatmigkeit, rotbrauner Urin und blasse oder gelbliche Schleimhäute. Unbehandelt verläuft diese Krankheit oftmals tödlich.
Braune Hundezecke
Eine weitere Zeckenart ist die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), welche es warmen Ländern z.B. Südeuropas gibt. Diese Zecke kann durch Import von Hunden aus den Süden oder den Urlaub im Süden mit Hund zu uns gelangen und ist dann in der Lage in beheizten Häusern zu überwintern. Von ihr wird neben der Babesiose die Ehrlichiose übertragen, eine der Anaplasmose ähnliche Erkrankung, die in der chronischen Form durch die Zerstörung der Blutplättchen zu Blutungsneigung führt.
Die Räudemilbe (Sarkoptes scabiei) ist eine weltweit vorkommende Milbenart, die über 100 Säugetierspezies befallen kann. Es gibt einzelne Unterarten, die je nach Hauptwirt benannt werden und relativ wirtsspezifisch sind, obwohl auch Übertragungen, z.B. vom Fuchs auf den Hund stattfinden können. Gelegentlich werden auch Hundebesitzer ihre Opfer, Katzen können die Erkrankung übertragen, ohne selbst zu erkranken. Beim Menschen ist die Erkrankung in der Regel selbst limitierend. Typisch ist ein sehr starker, meist akut auftretender Juckreiz am Körper (Bauch, Gliedmaßen) und am Kopf (Ohrenmuscheln, vor allem Ohrränder), selten auf dem Rücken. Die Haut ist gerötet, mit vielen roten sehr kleinen Knötchen und dicken Krusten. Durch das ständige Kratzen kommen weitere Verletzungen der Haut dazu. Die Diagnose kann der Tierarzt mittels Hautgeschabsel stellen. Allerdings sind trotz gravierender Symptomatik meist nur wenige Milben vorhanden, so dass diese in der Untersuchung nicht immer gefunden werden. Eine Blutuntersuchung kann weiterhelfen, da man den Antikörperspiegel gegen Sarkoptes Milben bestimmen und so einen Kontakt mit ihnen nachweisen kann. Als Therapie eignen sich bestimmte Spot on Präparate, die mehrmals in engen Abständen verabreicht werden müssen. Obwohl der gesamte Entwicklungszyklus auf dem Hund stattfindet, empfiehlt sich auch eine Umgebungsbehandlung, da die Milben bis zu 3 Wochen in der Umwelt ohne einen Wirt überleben können.
Die im Haarbalg lebende Milbe „Demodex canis“ kommt in der Haut fast jeden Hundes vor, sie wird von der Mutter in den ersten Tagen auf die Welpen übertragen. Kommt es aber zu einer gesteigerten Vermehrung der Milben, führt sie zunächst zu Haarausfall und einer Haarwurzelentzündung, die durch Folgeinfektionen kompliziert werden kann. Man unterscheidet eine Jungtierdemodikose, die in 2 Formen (lokal oder generalisiert) auftritt und die Demodikose des erwachsenen Hundes. Die lokale Form der Jungtierdemodikose zeichnet sich durch wenige haarlose Stellen, oft im Kopfbereich oder an den Beinen aus. Gelegentlich entstehen kleine Pusteln. Dabei erfolgt beim gesunden Hund eine Selbstheilung, d.h. die Hautveränderungen verschwinden ohne Therapie des Milbenbefalls.
Zur Entwicklung der generalisierten Form kommt es, wenn eine angeborene, vererbte Immunschwäche vorliegt. Bei diesen Hunden breiten sich die Veränderungen rasch auf große Teile des Körpers aus oder es kommt zu einem mottenfrass ähnlichem Haarausfall über weite Teile. Oft wird die generalisierte Form begleitet von einer starken sekundären bakteriellen Infektion mit Furunkelbildung, Pusteln und Krusten. Dann muss in jedem Fall eine Milbenbehandlung vorgenommen werden, da es wegen der Immunschwäche nicht zur Selbstheilung kommen kann. Da betroffene Tiere von der Zucht ausgeschlossen werden sollten, ist es wichtig, den Verlauf einer lokalen Demodikose abzuwarten, um zu sehen, ob es zur Selbstheilung kommt oder die vererbte Immunschwäche vorliegt. In der Regel sind davon betroffene Tiere ansonsten gesund und neigen auch nicht zu weiterer Anfälligkeit gegenüber anderen Krankheiten. Die Demodikose des älteren Hundes tritt bei Patienten mit Grunderkrankungen auf, die das Immunsystem schwächen, wie z.B. Tumoren und hormonelle Störungen, aber auch durch längere Behandlung mit Corticoiden.
Alle der beschriebenen parasitären Infektionen sind durch Medikamente behandelbar, die in der Regel sehr gut verträglich sind.
Gerade bei den durch die genanten Parasiten, insbesondere die Zecken, übertragenen Krankheiten gilt, dass es wichtig ist, die frühen Symptome richtig zu deuten, damit schnell und angemessen gehandelt werden kann. Eine gute Zeckenprophylaxe sollte zum Schutz vor den teilweise lebensbedrohlichen Erkrankungen ernst genommen und regelmäßig durchgeführt werden.
















